Die Entstehung einer Gravur

Martin Strolz über die Arbeitsschritte zu einer meisterlichen Handgravur


Bei dieser Gravur machte der Auftraggeber keinerlei Vorgaben für die Gestaltung. Beim Entwurf lag mein Hauptaugenmerk deshalb auf der Harmonie zwischen Form, Stil und Herkunft der Waffe. Nach einigen Skizzen war klar, was gut passen würde.

Bei den tiefen Reliefgravuren der Muscheln handelt es sich um Ziselierungen, die immer vor den feineren Gravuren entstehen. Nach dem Aufzeichnen graviere ich zu Beginn die Konturen der Ornamente mit einem Spitzstichel vor.

 

Dann geht es mit Meißel und Hammer tief in den Stahl. Die Oberfläche wird mit verschiedenen Sticheln verschnitten und glatt geschabt. Jene wenigen Stellen, wo Hintergrundfläche vorhanden ist, erfahren noch etwas tiefere Einschnitte.

Nach den spanabhebenden Arbeiten erfolgt die Feinziselierung der Oberfläche mittels Punzen. Die Punzen werden mit der linken Hand geführt und mit dem Ziselierhammer leicht geschlagen. Der Druck des Werkzeugs führt dabei zu einer plastischen Verformung des stählernen Werkstücks. So entsteht die Feinform mit der gewünschten Oberflächenstruktur. Punzen müssen in großer Zahl und passender Form vorhanden sein, nützen sich im Gegensatz zu den spanabhebenden Werkzeugen allerdings nicht ab.

 

Weil sich bei dieser Arbeit die Formen stets etwas verbreitern, muss ich die Seitenflanken der Ornamente immer wieder nachschneiden. Es gilt, eine gute Form bei gleichzeitig maximaler Schärfe zu erzielen. Durch Bearbeitung mit einer Spitz- oder Mattpunze reflektiert der Hintergrund weniger Licht und wirkt dunkler. Wie hier zu sehen ist, habe ich bei dieser Arbeit die Ornamente auch mit einigen Linien schattiert. In gleicher Weise bearbeite ich auch die zweite Seite und den Schlüssel.

Nach Fertigstellung der Reliefgravur an den Muscheln zeichne ich die restliche Ornamentik mit Bleistift auf den Stahl. Vorher musste ich die Oberfläche mit Plastilin betupfen, damit eine dünne Fettschicht entsteht, auf der sich die Striche sichtbar abzeichnen. Oft bedarf es vieler Korrekturen, bis die Schwünge richtig fließen. Erst dann wird mit einer polierten Stahlnadel die Zeichnung nachgezogen und dadurch fixiert. Bei dieser Doppelbüchse führen die Schwünge über die Rundung des Basküls hinweg auf die Unterseite der Waffe. Das sieht schön aus, macht aber im Entwurf einige Mühe.

Nach dem Anreißen kann ich die Schwünge und die Innenblätter gravieren – auch hier mit einem Spitzstichel ausgeführt. Danach wird der Hintergrund tiefgestochen, das heißt, die verbleibenden Hintergrundflächen mit einem schmalen Flachstichel etwas tiefergelegt. Dadurch wirkt die Arbeit letztendlich noch plastischer.

Die Werkzeuge bestehen aus HSS-Stahl oder Hartmetall mit einem Griff aus Holz. Sie müssen ständig scharf gehalten werden.

 

Auf der Unterseite ist die Symmetrieachse im Ornament klar erkennbar. Um eine sehr gute Symmetrie zu erzielen ist es günstig, zuerst eine Hälfte zu gravieren und anschießend die Konturen auf die zweite Seite zu übertragen.

Oft spielt die Form der Züngelplatte eine bedeutende Rolle. Da dieser Teil des Gewehrs in den Boden des Basküls eingebaut ist können Passungen und Schrauben die Gestaltung beeinflussen.

Während der Gravur ist das Werkstück in eine Gravierkugel eingespannt. Dieser drehbare Schraubstock hat eine halbkugelförmige, in einem Lederring gelagerte Unterseite, die auch Schwenkbewegungen ermöglicht.

 

In dieser Arbeitsphase ist der Hintergrund bereits punziert worden. Gegenüber den eingeebneten Hintergrundflächen treten die Ornamente hell und kontrastreich hervor.

Anschließend wird schattiert. Die Schattierung besteht aus einer Vielzahl feiner Linien zur Betonung der dunklen Stellen der Ornamente - die so erzielte Wirkung kommt in diesem Bild sehr gut zur Geltung. Außer dem Grauwert wird dem Ornament auch eine Struktur gegeben. Bei diesem Arbeitsvorgang ist es besonders wichtig, die Qualität auf einem gleichbleibend hohen Niveau zu halten.

Auch kleinste Fehler wären in Gravuren kaum zu beseitigen und würden sich optisch dauerhaft negativ auswirken.

 

 

Keinesfalls vernachlässigen darf der Graveur die Arbeiten am Abzugsbügel, an allen Kleinteilen und Schrauben. Gerade an der exakten Bearbeitung dieser Teile lässt sich die Qualität einer Gravur recht gut einschätzen. Sie sollten ein gleichhohes Qualitätsniveau wie die übrige Arbeit aufweisen.

Abschließend erfolgt die Gravur der Gewehrläufe. Dabei handelt es sich meist um Beschriftungen wie Seriennummer, Hersteller und Kaliber. Im vorliegenden Fall habe ich die Schrift in Gold tauschiert. Die Mattierung der Schiene und die Gravur der Montageteile sollte bei feinen Gewehren eine Arbeit ein und desselben Graveurs sein, um ein einheitliches Erscheinungsbild zu gewährleisten.

Die fertige Arbeit ist auf der Startseite und in der Fotogalerie zu sehen.